Kurz beantwortet: Ein Geschäftsgeheimnis ist nur geschützt, wenn es Gegenstand angemessener Geheimhaltungsmaßnahmen ist (§ 2 Nr. 1 GeschGehG). Wer vertrauliche Inhalte ungeprüft in ein öffentliches KI-Tool eingibt, kann diesen Schutz verlieren, oft ohne es zu merken.

Ein Mitarbeiter fügt einen vertraulichen Vertragsentwurf in ChatGPT ein, um ihn zusammenfassen zu lassen. Ein Entwickler lädt geschützten Quellcode in ein KI-Tool, um einen Fehler zu finden. Beides passiert täglich, und beides kann den Schutz als Geschäftsgeheimnis gefährden. Denn ob eine Information rechtlich geschützt bleibt, hängt davon ab, wie sorgsam Sie mit ihr umgehen. Der KI-Einsatz stellt genau diese Sorgfalt auf die Probe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Geschäftsgeheimnis ist nach § 2 Nr. 1 GeschGehG nur geschützt, wenn es Gegenstand angemessener Geheimhaltungsmaßnahmen des rechtmäßigen Inhabers ist.
  • Wer vertrauliche Inhalte ungeprüft in ein öffentliches KI-Tool eingibt, gibt die Kontrolle darüber potenziell aus der Hand und kann den Schutz unbemerkt verlieren.
  • Angemessen bedeutet verhältnismäßig zum Wert der Information, etwa durch klare Nutzungsregeln, eine geeignete Tool-Auswahl und vertragliche Absicherung beim Anbieter.
  • Die dokumentierten Maßnahmen sind zugleich Beweismittel, weil Sie im Streitfall darlegen müssen, dass Sie Ihre Geheimnisse tatsächlich geschützt haben.

Was ist ein Geschäftsgeheimnis überhaupt?

Das Geschäftsgeheimnisgesetz definiert in § 2 Nr. 1 GeschGehG drei Voraussetzungen. Die Information muss geheim und deshalb von wirtschaftlichem Wert sein, Gegenstand angemessener Geheimhaltungsmaßnahmen durch ihren rechtmäßigen Inhaber sein, und es muss ein berechtigtes Geheimhaltungsinteresse bestehen. Der Knackpunkt ist die zweite Voraussetzung: Ohne angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen ist eine Information kein Geschäftsgeheimnis und genießt keinen Schutz.

Warum gefährden KI-Tools die Geheimhaltung?

Wer vertrauliche Inhalte in ein öffentliches KI-Tool eingibt, gibt die Kontrolle über sie potenziell aus der Hand. Je nach Anbieter und Tarif können Eingaben zur Modellverbesserung weiterverwendet, gespeichert oder von Mitarbeitenden des Anbieters eingesehen werden. Fehlt eine Regelung, die das ausschließt, lässt sich schwer argumentieren, dass die Information noch angemessen geschützt war. Der Schutz nach dem GeschGehG kann so unbemerkt entfallen, und mit ihm die Möglichkeit, gegen eine spätere Offenlegung vorzugehen. Den Geheimnisschutz beim Input habe ich zusammen mit den Fragen zu Output und Governance in einem Gastbeitrag für die Legal Tribune Online ausgeführt, der unter meinen Publikationen und Fachbeiträgen verlinkt ist.

Welche Maßnahmen sind beim KI-Einsatz angemessen?

Angemessen heißt nicht maximal, sondern verhältnismäßig zum Wert der Information.

Maßnahme Was sie leistet
Klare Nutzungsregeln Eine KI-Richtlinie, die festlegt, welche Datenkategorien nie in externe Tools eingegeben werden dürfen.
Geeignete Tool-Auswahl Business- oder Enterprise-Versionen, bei denen die Verarbeitung zu Trainingszwecken vertraglich ausgeschlossen ist.
Vertragliche Absicherung Vereinbarungen mit dem Anbieter zu Vertraulichkeit, Speicherung und Löschung der Eingaben.
Schulung und Nachweis Dokumentierte Sensibilisierung der Mitarbeitenden, damit die Maßnahmen im Streitfall belegbar sind.

Wie sich diese Bausteine in einer verbindlichen Richtlinie für das gesamte Team bündeln lassen, zeigt der Beitrag Die KI-Nutzungsrichtlinie fürs Team. Für den Austausch mit Partnern und Dienstleistern bleibt daneben das NDA die zentrale vertragliche Maßnahme, dazu der Beitrag zum NDA-Management.

Warum zahlt sich die Dokumentation doppelt aus?

Angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen sind nicht nur Voraussetzung des Schutzes, sondern auch Beweismittel. Im Streitfall müssen Sie darlegen, dass Sie Ihre Geheimnisse tatsächlich geschützt haben. Eine schriftliche KI-Richtlinie, klare Freigabeprozesse und nachweisbare Schulungen erfüllen beide Zwecke zugleich, sie halten den Schutz aufrecht und liefern den Nachweis dafür. Der KI-Einsatz wird damit nicht zum Risiko für Ihre Geheimnisse, sondern zum Anlass, sie systematisch abzusichern.

Vertiefung auf LTO: Wie sich der Geheimnisschutz beim Einsatz von KI-Coding-Assistenten mit Werkzeugwahl, Anbietervertrag und internen Regeln absichern lässt, ordnet mein Gastbeitrag KI-Coding-Assistenten im Unternehmen: Wer auf den Gesetzgeber wartet, wartet vergebens ein (Legal Tribune Online, 20.07.2026).

Wie das in der Praxis aussieht

Ein Beispiel, wie es in dieser Form häufig vorkommt: Ein Hersteller von Spezialklebstoffen mit rund 110 Mitarbeitenden stellt fest, dass Mitarbeitende im Labor Rezepturtabellen und Versuchsberichte in einen kostenlosen Chat-Dienst kopieren. Eine Regel dazu gibt es nicht, und je nach Tarif kann der Anbieter Eingaben speichern oder zur Modellverbesserung verwenden. Die Rezepturen tragen den Wert des Unternehmens, als Geschäftsgeheimnis geschützt sind sie aber nur, solange angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen bestehen. Zu klären ist, welche Informationen welchen Wert haben und welche Maßnahmen dazu verhältnismäßig sind.

Danach trennen sich die Wege. Rezepturen, Versuchsdaten und Kundenspezifikationen werden für externe Tools gesperrt, ausgewertet wird über eine interne Lösung oder ohne KI. Für weniger sensible Inhalte, etwa Produktbeschreibungen oder allgemeine Recherchen, wird eine Business-Version freigegeben, bei der die Verarbeitung zu Trainingszwecken vertraglich ausgeschlossen ist und Speicherung und Löschung geregelt sind. Beide Linien stehen in einer KI-Richtlinie, und die Einweisung der Mitarbeitenden wird dokumentiert, weil diese Maßnahmen im Streitfall zugleich als Nachweis dienen. Am Ende stehen Datenkategorien, freigegebene Tools und belegbare Schulungen. Wie Richtlinie und Freigabeweg Ihre Geschäftsgeheimnisse im Alltag schützen, zeigt das Rechtssystem.

Häufige Fragen

Wann ist eine Information ein Geschäftsgeheimnis?

Nach § 2 Nr. 1 GeschGehG muss die Information geheim und deshalb von wirtschaftlichem Wert sein, Gegenstand angemessener Geheimhaltungsmaßnahmen ihres rechtmäßigen Inhabers sein und einem berechtigten Geheimhaltungsinteresse unterliegen. Fehlen angemessene Maßnahmen, genießt die Information keinen Schutz.

Kann die Eingabe in ein KI-Tool den Schutz beenden?

Ja, das ist möglich. Wer vertrauliche Inhalte in ein öffentliches KI-Tool eingibt, gibt die Kontrolle darüber potenziell aus der Hand, weil Eingaben je nach Anbieter und Tarif gespeichert, zur Modellverbesserung weiterverwendet oder eingesehen werden können. Fehlt eine Regelung, die das ausschließt, lässt sich der angemessene Schutz kaum noch begründen.

Welche Geheimhaltungsmaßnahmen sind beim KI-Einsatz angemessen?

Angemessen heißt nicht maximal, sondern verhältnismäßig zum Wert der Information. In Betracht kommen klare Nutzungsregeln zu erlaubten Datenkategorien, die Auswahl von Business- oder Enterprise-Versionen mit vertraglich ausgeschlossener Trainingsnutzung, vertragliche Vereinbarungen zu Speicherung und Löschung sowie dokumentierte Schulungen.

Warum ist die Dokumentation der Maßnahmen so wichtig?

Angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen sind nicht nur Voraussetzung des Schutzes, sondern auch Beweismittel. Im Streitfall müssen Sie darlegen, dass Sie Ihre Geheimnisse tatsächlich geschützt haben, weshalb eine schriftliche Richtlinie, klare Freigabeprozesse und nachweisbare Schulungen beide Zwecke zugleich erfüllen.

Quellen & Rechtsgrundlagen

  • § 2 Nr. 1 GeschGehG – Begriff des Geschäftsgeheimnisses und angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen

Was Mitarbeiter in KI-Tools eingeben dürfen, ist in vielen Unternehmen nicht geregelt, und die Geschäftsführung erfährt es erst im Nachhinein. Das Rechtssystem legt KI-Richtlinie und Freigabeweg fest, damit Ihr Team weiß, welche Inhalte in welches Tool dürfen. Rechtssystem: KI-Richtlinie zum Schutz Ihrer Geschäftsgeheimnisse

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