Kurz beantwortet: Ob Sie selbst gegen eine Markenverletzung vorgehen oder eine Abmahnung erhalten haben, regelt in beiden Rollen § 14 MarkenG: die drei Verletzungstatbestände, Unterlassung und Schadensersatz. Dieser Beitrag behandelt die Verteidigung und Durchsetzung. Geht es um den Aufbau Ihres eigenen Markenschutzes, ist der passende Beitrag Markenschutz für SaaS-Produkte: den Namen früh sichern.

Das Wichtigste in Kürze

  • § 14 Abs. 2 MarkenG kennt drei Verletzungstatbestände, wobei die Verwechslungsgefahr der praktisch häufigste Fall ist und eine Nutzung im geschäftlichen Verkehr voraussetzt.
  • Der Markeninhaber kann Unterlassung und Schadensersatz verlangen, flankiert von Auskunfts- sowie Vernichtungs- und Rückrufansprüchen.
  • Durchgesetzt werden diese Ansprüche meist außergerichtlich per Abmahnung mit strafbewehrter Unterlassungserklärung.
  • Wer eine Abmahnung erhält, sollte sie weder ignorieren noch ungeprüft unterschreiben, weil eine vorformulierte Erklärung regelmäßig zu weit gefasst ist.

Wann liegt eine Markenverletzung vor?

§ 14 Abs. 2 MarkenG nennt drei Verletzungstatbestände. Untersagt ist die Nutzung eines identischen Zeichens für identische Waren/Dienstleistungen (Nr. 1), die Nutzung eines identischen oder ähnlichen Zeichens mit Verwechslungsgefahr (Nr. 2) und die Ausnutzung oder Beeinträchtigung einer im Inland bekannten Marke (Nr. 3). Der praktisch häufigste Fall ist die Verwechslungsgefahr, sie wird anhand von Zeichenähnlichkeit, Waren-/Dienstleistungsähnlichkeit und Kennzeichnungskraft der Marke beurteilt. Die Nutzung muss dabei im geschäftlichen Verkehr erfolgen, rein private Verwendung ist nicht erfasst.

Welche Ansprüche hat der Markeninhaber?

Liegt eine Verletzung vor, gewährt § 14 MarkenG ein abgestuftes Instrumentarium:

  • Unterlassung (§ 14 Abs. 5 MarkenG): bei Wiederholungsgefahr, und bereits wenn eine Zuwiderhandlung erstmalig droht.
  • Schadensersatz (§ 14 Abs. 6 MarkenG): bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit, wahlweise nach entgangenem Gewinn, Verletzergewinn oder fiktiver Lizenzgebühr (dreifache Schadensberechnung).
  • Flankierende Ansprüche: Auskunft (§ 19 MarkenG) und Vernichtung/Rückruf (§ 18 MarkenG).
  • Betriebsinhaberhaftung (§ 14 Abs. 7 MarkenG): auch für Verletzungen durch Angestellte oder Beauftragte.

Was bedeutet die Abmahnung für beide Seiten?

Durchgesetzt werden diese Ansprüche meist zunächst außergerichtlich per Abmahnung mit strafbewehrter Unterlassungserklärung. Als Markeninhaber ist die Abmahnung Ihr schnellstes und kostengünstigstes Mittel. Als Empfänger einer Abmahnung sollten Sie sie weder ignorieren noch ungeprüft unterschreiben. Eine vorformulierte Unterlassungserklärung ist regelmäßig zu weit gefasst und bindet Sie über Jahre mit erheblicher Vertragsstrafe. Zu prüfen ist, ob die Verletzung überhaupt vorliegt, ob die geltend gemachten Kosten berechtigt sind und ob eine modifizierte Erklärung ausreicht. Betrifft die Auseinandersetzung eine Domain, ergänzt Domain vs. Marke: Domainrecht und Namensrecht die Einordnung.

Was sollten Sie konkret tun?

Als Inhaber überwachen Sie Ihre Marke und dokumentieren Verletzungen sauber, bevor Sie abmahnen. Als Empfänger reagieren Sie fristgerecht, aber überlegt: Die kurze Frist einer Abmahnung ist Druckmittel, kein Sachzwang zur Blankounterschrift. In beiden Rollen entscheidet die genaue Prüfung von Zeichen- und Warenähnlichkeit über Erfolg oder Misserfolg. Ein vorschnelles Vorgehen ist in beide Richtungen teuer.

Häufige Fragen

Wann liegt eine Markenverletzung vor?

§ 14 Abs. 2 MarkenG nennt drei Verletzungstatbestände: die Nutzung eines identischen Zeichens für identische Waren oder Dienstleistungen, die Nutzung eines identischen oder ähnlichen Zeichens mit Verwechslungsgefahr sowie die Ausnutzung oder Beeinträchtigung einer im Inland bekannten Marke. Voraussetzung ist stets eine Nutzung im geschäftlichen Verkehr, sodass eine rein private Verwendung nicht erfasst wird.

Welche Ansprüche hat der Markeninhaber?

Der Markeninhaber kann nach § 14 Abs. 5 MarkenG Unterlassung und nach § 14 Abs. 6 MarkenG bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit Schadensersatz verlangen, wobei sich der Schaden nach entgangenem Gewinn, Verletzergewinn oder fiktiver Lizenzgebühr berechnen lässt. Flankierend bestehen Auskunftsansprüche nach § 19 MarkenG sowie Vernichtungs- und Rückrufansprüche nach § 18 MarkenG.

Muss man eine vorformulierte Unterlassungserklärung unterschreiben?

Eine vorformulierte Unterlassungserklärung ist regelmäßig zu weit gefasst und bindet den Empfänger über Jahre mit erheblicher Vertragsstrafe. Zu prüfen ist, ob die Verletzung überhaupt vorliegt, ob die geltend gemachten Kosten berechtigt sind und ob eine modifizierte Erklärung ausreicht.

Haftet ein Unternehmen auch für Markenverletzungen seiner Mitarbeiter?

Ja. Nach § 14 Abs. 7 MarkenG erstreckt sich die Haftung des Betriebsinhabers auch auf Verletzungen, die durch Angestellte oder Beauftragte begangen werden.

Quellen & Rechtsgrundlagen

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