Bei Angestellten gehört der Code kraft Gesetz dem Arbeitgeber (§ 69b UrhG). Bei Freelancern, Agenturen und KI-generiertem Code gilt das gerade nicht: Ohne einen Vertrag, der die Rechte ausdrücklich regelt, bleibt die Rechtekette lückenhaft, und genau das prüft spätestens die Due Diligence. Dieser Leitfaden ordnet, wem was gehört und wie Sie es vertraglich absichern. Für Entscheider, nicht für Juristen.
◆Stand: Juli 2026 · IT-Recht aus der Softwarepraxis
Kurz beantwortet: Bei Angestellten gehört der Code dem Arbeitgeber kraft Gesetz, wenn der Mitarbeiter ihn in Wahrnehmung seiner Aufgaben schreibt (§ 69b UrhG). Bei Freelancern und Agenturen gilt das gerade nicht: Ohne ausdrückliche vertragliche Rechteeinräumung bleiben die Rechte beim externen Entwickler, und Sie erhalten nur, was der Vertrag konkret regelt.
„Wir haben es bezahlt, also gehört es uns“ stimmt deshalb nur teilweise. Das Urheberrecht knüpft nicht an die Bezahlung an, sondern daran, wer den Code unter welchen Umständen geschrieben hat. Je nach Konstellation liegen die Rechte völlig unterschiedlich:
Schreibt ein Arbeitnehmer den Code in Wahrnehmung seiner Aufgaben, stehen die vermögensrechtlichen Befugnisse per Gesetz dem Arbeitgeber zu (§ 69b UrhG). Hier gehört er Ihnen.
Kein automatischer Übergang. Ohne ausdrückliche Rechteeinräumung im Vertrag behält der Freelancer die Rechte. Sie erhalten nur, was vereinbart ist. Vertiefend: Wem gehört der Code?
Wie beim Freelancer entscheidet der Vertrag. Fehlt eine klare IP-Klausel, können Sie das Ergebnis unter Umständen nicht so nutzen wie gedacht.
Von einer KI erzeugter Code hat keinen menschlichen Urheber im klassischen Sinn, das wirft eigene Fragen zu Schutz und Herkunft auf, gerade bei Trainingsdaten. Vertiefend: Wem gehört von KI generierter Code?
Fremder Code in Ihrem Produkt gehört nicht Ihnen, sondern wird unter Lizenzbedingungen genutzt, die Sie einhalten müssen.
Computerprogramme sind urheberrechtlich geschützt (§ 69a UrhG), ähnlich einem Sprachwerk. Der Schutz entsteht automatisch mit der Schaffung, ohne Eintragung oder Vermerk. Geschützt ist die konkrete Ausdrucksform des Programms, nicht die dahinterstehende Idee oder der Algorithmus als solcher. Vertiefend, was genau darunterfällt: Was am Programm ist urheberrechtlich geschützt?
Für Sie folgt daraus zweierlei: Ihr eigener Code ist von Anfang an geschützt, aber ebenso der Code anderer, den Sie einsetzen. Beides zu trennen und sauber zu dokumentieren, ist die Grundlage jeder belastbaren IP-Position.
Wo kein gesetzlicher Übergang greift, müssen Rechte vertraglich eingeräumt werden (§ 31 UrhG). Dabei gilt eine Regel, die viele überrascht: Ist im Vertrag nicht ausdrücklich bezeichnet, welche Nutzungsarten übergehen, bestimmt sich der Umfang nach dem Vertragszweck und im Zweifel eng zugunsten des Urhebers (Zweckübertragung, § 31 Abs. 5 UrhG). Eine schwammige Klausel wie „alle Rechte gehen über“ kann also weniger bewirken als gedacht.
Belastbar ist eine IP-Klausel, die die einzuräumenden Nutzungsarten konkret benennt, sie als ausschließlich und zeitlich/räumlich unbeschränkt ausgestaltet und die Bearbeitung einschließt. Genau hierauf schaut ein Investor in der Due Diligence als Erstes. Die Mechanik im Einzelnen, je nachdem ob Sie eine Lizenz einräumen oder Rechte vollständig übertragen wollen: Nutzungsrechte an Software richtig einräumen und Nutzungsrechte übertragen und weitergeben.
Kaum ein Produkt kommt ohne Open-Source-Komponenten aus, das ist gut und günstig, aber nicht umsonst. Open-Source-Lizenzen sind keine „rechtefreie“ Software, sondern Nutzungsrechtseinräumungen unter Bedingungen. Wer diese Bedingungen verletzt, verliert die Lizenz und begeht eine Urheberrechtsverletzung. Typische Pflichten sind Lizenz- und Copyright-Hinweise, das Mitliefern des Lizenztextes und, bei manchen Lizenzen, die Offenlegung des eigenen Quellcodes.
Der praktische Schlüssel ist Transparenz: zu wissen, welche Komponenten mit welchen Lizenzen im Produkt stecken. Ohne diese Übersicht kauft ein Erwerber ein unkalkulierbares Risiko mit und drückt den Preis oder springt ab.
Open-Source-Lizenzen lassen sich grob in zwei Lager teilen. Permissive Lizenzen (etwa MIT oder Apache) verlangen wenig, im Kern die Nennung von Urheber und Lizenz und lassen die Verwendung auch in geschlossenen, kommerziellen Produkten zu. Copyleft-Lizenzen (etwa die GPL) verlangen dagegen, dass abgeleitete Werke unter derselben Lizenz weitergegeben werden; im Ergebnis kann das bedeuten, dass Sie eigenen Code offenlegen müssen.
Der Unterschied ist geschäftskritisch: Eine einzige starke Copyleft-Komponente an der falschen Stelle kann Ihr Geschäftsmodell berühren. Deshalb gehört vor der Einbindung geprüft, welche Lizenz eine Komponente hat und wie sie mit Ihrem Code verbunden wird.
Auf der anderen Seite steht Ihr eigenes Produkt: Wie räumen Sie Ihren Kunden Rechte ein? Ob Abo-Nutzung (SaaS), On-Premise-Lizenz oder ein hybrides Modell: die Lizenzbedingungen entscheiden, was der Kunde darf, was nicht, und wie Ihr Umsatz abgesichert ist. Nutzungsumfang, Weitergabe, Bearbeitung und die Folgen bei Vertragsende gehören klar geregelt.
Ein durchdachtes Lizenzmodell ist damit kein reines Rechtsthema, sondern Teil Ihrer Monetarisierung. Es sollte zu Ihrem Preis- und Vertriebsmodell passen und mit ihm mitwachsen können.
Nicht alles am Code lässt sich über das Urheberrecht schützen, wohl aber über den Geheimnisschutz. Ihr Quellcode, Ihre Architektur, Ihre Algorithmen können Geschäftsgeheimnisse sein. Rechtlichen Schutz genießen sie aber nur, wenn sie Gegenstand angemessener Geheimhaltungsmaßnahmen sind (§ 2 GeschGehG). Fehlen solche Maßnahmen, entfällt der Schutz.
Angemessen heißt konkret: Zugriffsbeschränkungen auf das Repository, Vertraulichkeitsvereinbarungen mit Mitarbeitern und Dienstleistern, ein sorgsamer Umgang mit externen Tools. Wer vertraulichen Code etwa in ein öffentliches KI-Werkzeug gibt, kann den Schutz selbst untergraben.
Ihr Produktname ist ein Vermögenswert und angreifbar, wenn er nicht geschützt ist. Markenschutz entsteht in der Regel mit der Eintragung, national beim Deutschen Patent- und Markenamt oder als Unionsmarke beim EUIPO. Wer erst kurz vor dem Launch prüft, riskiert, dass der Wunschname bereits belegt ist oder eine fremde Marke verletzt.
Sinnvoll ist eine Recherche und Anmeldung früh, bevor Marketing und Domain aufgebaut sind. So schützen Sie den Namen, unter dem Ihr Produkt bekannt werden soll, statt ihn später teuer verteidigen oder wechseln zu müssen.
Die Beiträge dieses Clusters vertiefen einzelne Stationen von IP und Code-Eigentum. Am schnellsten finden Sie den passenden, wenn Sie ihn nach Ihrem aktuellen Anlass wählen:
Code, Rechte & Urheberschaft
Open Source, Nutzung & Grenzen
Marke, Domain & Patent
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