Kurz beantwortet: Geschützt ist nur die konkrete Ausdrucksform eines Programms, der geschriebene Code. Ideen, Algorithmen und Schnittstellen-Grundsätze bleiben frei (§ 69a Abs. 2 UrhG). Ein Wettbewerber, der dieselbe Funktion mit eigenem Code nachbaut, verletzt das Urheberrecht deshalb grundsätzlich nicht. Wer das weiß, führt keine aussichtslosen Prozesse und sichert stattdessen den richtigen Schutzweg.
Das Wichtigste in Kürze
- Geschützt ist nach § 69a Abs. 2 UrhG nur die konkrete Ausdrucksform eines Programms, also der geschriebene Quell- und Objektcode.
- Ideen, Algorithmen und die den Schnittstellen zugrundeliegenden Grundsätze bleiben frei und lassen sich nicht monopolisieren.
- Die Schutzschwelle ist niedrig, weil nach § 69a Abs. 3 UrhG allein eine eigene geistige Schöpfung genügt und qualitative oder ästhetische Kriterien keine Rolle spielen.
- Ein Wettbewerber, der dieselbe Funktion mit eigenem Code nachbildet, verletzt das Urheberrecht grundsätzlich nicht.
Ist die Ausdrucksform oder die Idee geschützt?
Der entscheidende Satz steht in § 69a Abs. 2 UrhG: Der Schutz gilt für alle Ausdrucksformen eines Computerprogramms. Ideen und Grundsätze, die einem Programmelement zugrunde liegen, einschließlich der den Schnittstellen zugrundeliegenden Ideen und Grundsätze, sind dagegen nicht geschützt. Geschützt ist also der konkret geschriebene Code (Quell- und Objektcode), nicht das dahinterstehende Konzept, der Algorithmus als Idee oder die Funktionalität als solche. Ein Wettbewerber, der dieselbe Funktion mit eigenem Code nachbildet, verletzt das Urheberrecht grundsätzlich nicht.
Was setzt „geschützt“ voraus?
Nach § 69a Abs. 1 UrhG sind Computerprogramme in jeder Gestalt geschützt, einschließlich des Entwurfsmaterials. Voraussetzung ist nach § 69a Abs. 3 UrhG nur, dass das Programm eine eigene geistige Schöpfung ist, qualitative oder ästhetische Kriterien spielen ausdrücklich keine Rolle. Die Schutzschwelle ist damit niedrig: Nahezu jeder individuell geschriebene Code ist geschützt. Auf Computerprogramme finden nach § 69a Abs. 4 UrhG die Regeln für Sprachwerke Anwendung.
Was ist die Kehrseite: erlaubte Analyse?
Weil Ideen und Grundsätze frei sind, erlaubt das Gesetz auch, sie zu ermitteln. Nach § 69d Abs. 3 UrhG darf der berechtigte Nutzer das Funktionieren eines Programms beobachten, untersuchen und testen, um die zugrundeliegenden Ideen und Grundsätze zu ermitteln, solange er dies im Rahmen der erlaubten Nutzung tut (Black-Box-Analyse). Wer also aus der beobachteten Funktionsweise lernt und mit eigenem Code etwas Vergleichbares baut, bewegt sich im geschützten Bereich der freien Idee.
Was bedeutet das für Ihre Schutzstrategie?
- Code schützt sich selbst: Ihr konkreter Code ist ab Entstehung urheberrechtlich geschützt, ohne Anmeldung.
- Funktion und Idee sind frei: Gegen den bloßen Nachbau der Funktionalität mit eigenem Code hilft das Urheberrecht nicht.
- Schnittstellen-Grundsätze sind frei: Die zugrundeliegenden Prinzipien von Schnittstellen sind nicht monopolisierbar (§ 69a Abs. 2 UrhG).
- Andere Schutzwege prüfen: Wo das Urheberrecht endet, kommen Patent (technische Erfindung), Geschäftsgeheimnis (nicht offengelegte Logik) oder Design in Betracht. Vertiefend zum Patentweg: Ist Software patentierbar?
Wer seinen Schutzumfang realistisch einschätzt, spart sich aussichtslose Prozesse gegen erlaubten Nachbau und sichert stattdessen ab, was sich tatsächlich schützen lässt. Zum Gesamtbild: der Leitfaden IP & Code-Eigentum für Softwareunternehmen.
Häufige Fragen
Was genau ist an einem Computerprogramm geschützt?
Geschützt ist nach § 69a Abs. 2 UrhG die konkrete Ausdrucksform eines Programms, also der geschriebene Quell- und Objektcode. Ideen und Grundsätze, die einem Programmelement zugrunde liegen, einschließlich der den Schnittstellen zugrundeliegenden Ideen, sind dagegen nicht geschützt.
Welche Voraussetzungen gelten für den Schutz?
Nach § 69a Abs. 1 UrhG sind Computerprogramme in jeder Gestalt einschließlich des Entwurfsmaterials geschützt. Voraussetzung ist nach § 69a Abs. 3 UrhG allein, dass das Programm eine eigene geistige Schöpfung ist, während qualitative oder ästhetische Kriterien ausdrücklich keine Rolle spielen.
Verletzt der Nachbau derselben Funktion mit eigenem Code das Urheberrecht?
Grundsätzlich nicht. Weil Funktionalität und Idee frei bleiben, verletzt ein Wettbewerber, der dieselbe Funktion mit eigenem Code nachbildet, das Urheberrecht regelmäßig nicht.
Darf man fremde Software analysieren, um ihre Grundsätze zu ermitteln?
Nach § 69d Abs. 3 UrhG darf der berechtigte Nutzer das Funktionieren eines Programms beobachten, untersuchen und testen, um die zugrundeliegenden Ideen und Grundsätze zu ermitteln, solange er dies im Rahmen der erlaubten Nutzung tut. Diese Black-Box-Analyse bewegt sich im geschützten Bereich der freien Idee.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- § 69a Abs. 1 UrhG – Schutzgegenstand Computerprogramm
- § 69a Abs. 2 UrhG – Schutz der Ausdrucksform, nicht der zugrundeliegenden Ideen
- § 69a Abs. 3 UrhG – Schutzvoraussetzung der eigenen geistigen Schöpfung
- § 69a Abs. 4 UrhG – Anwendung der Regeln für Sprachwerke
- § 69d Abs. 3 UrhG – Beobachten, Untersuchen und Testen des Programms
- EuGH, Urt. v. 02.05.2012 – C-406/10, „SAS Institute“ – kein Urheberrechtsschutz für Funktionalität und Programmiersprache, MMR 2012, 468
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