Wissen · EU AI Act
Recht. Klar. Erklärt.

EU AI Act: Der Leitfaden für Softwareunternehmen

Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist das erste umfassende KI-Gesetz der EU. Er betrifft jedes Unternehmen, das KI entwickelt oder einsetzt, gestaffelt nach Risiko der jeweiligen Anwendung. Dieser Leitfaden ordnet Risikoklassen, Anbieter- und Betreiberpflichten, Fristen und das Zusammenspiel mit der DSGVO, ohne Paragrafen-Deutsch. Für Entscheider, nicht für Juristen.

Stand: Juli 2026 · Rechtsanwältin & zertifizierte KI-Compliance-Beauftragte · 8 Jahre Praxis aus der Wirtschaft

1. Was der EU AI Act regelt

Der EU AI Act ist das erste umfassende KI-Gesetz der EU. Er reguliert risikobasiert: Je höher das Risiko einer KI-Anwendung für Sicherheit und Grundrechte, desto strenger die Pflichten. Anwendungen mit geringem Risiko bleiben weitgehend frei.

Für Softwareunternehmen gilt der AI Act unabhängig davon, ob sie KI selbst entwickeln oder nur einsetzen, und er kann auch Unternehmen außerhalb der EU treffen, wenn die Ergebnisse ihrer KI in der EU verwendet werden.

2. Gilt der AI Act für Sie? Anbieter und Betreiber

Der AI Act unterscheidet vor allem zwei Rollen und daran hängt, welche Pflichten Sie treffen:

  • Anbieter (Provider): Sie entwickeln ein KI-System oder bringen es unter Ihrem Namen in Verkehr. Hier sieht der AI Act die strengsten Pflichten vor.
  • Betreiber (Deployer): Sie setzen ein KI-System unter Ihrer Verantwortung ein, etwa ein eingekauftes Tool. Der Pflichtenkreis ist schlanker, aber er besteht.

Beide Rollen können gleichzeitig zutreffen: Wer ein fremdes KI-Modell in das eigene Produkt einbaut und ausliefert, wird für diesen Teil schnell selbst zum Anbieter. Die saubere Einstufung ist der erste Schritt. Sie entscheidet, welche Pflichten gelten und welche Sie ignorieren dürfen.

3. Die vier Risikoklassen

Der AI Act ordnet jede Anwendung einer von vier Stufen zu:

Verboten

Bestimmte KI-Praktiken sind untersagt (Art. 5), etwa Social Scoring oder manipulative Systeme. Diese Verbote gelten seit dem 2. Februar 2025.

Hochrisiko

KI in sensiblen Bereichen (z. B. Personalauswahl, Kreditwürdigkeit, kritische Infrastruktur). Strengste Pflichten: Risikomanagement, technische Dokumentation, menschliche Aufsicht.

Begrenztes Risiko

Vor allem Transparenzpflichten: Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit KI interagieren oder dass Inhalte KI-generiert sind (z. B. Chatbots).

Minimales Risiko

Die große Mehrheit der Anwendungen, etwa Spamfilter. Keine besonderen Pflichten aus dem AI Act.

4. Die Fristen: wann welche Pflicht greift

Der AI Act gilt gestaffelt, von bereits scharfen Verboten bis zu Hochrisiko-Pflichten mit längerem Vorlauf. Diese Übersicht wird bewusst nicht an mehreren Stellen gepflegt: die vollständige, laufend aktualisierte Fristenübersicht mit allen Stichtagen und dem aktuellen Digital-Omnibus-Stand finden Sie gesammelt im Beitrag Der Zeitplan des EU AI Act: welche Pflicht ab wann. So vermeiden wir widersprüchliche Angaben zwischen den Beiträgen dieser Seite.

Wer früh ordnet, geht ohne Zeitdruck und mit dokumentierter Compliance hinein, statt im Hauruck kurz vor der Frist.

5. Pflichten für Anbieter

Wenn Sie KI entwickeln und ausliefern, kommen, abhängig von der Risikoklasse, u. a. diese Pflichten auf Sie zu: Konformitätsbewertung, technische Dokumentation, Transparenz gegenüber Nutzern, Risikomanagement und Vorkehrungen für menschliche Aufsicht. Sauber aufgesetzt wird das zum Verkaufsargument im Enterprise-Sales, statt zum Deal-Blocker, wenn der Einkauf des Kunden nachfragt.

6. Pflichten für Betreiber

Auch wer KI nur einsetzt, trägt Pflichten: transparenter Einsatz, Beachtung der Anbietervorgaben, Datenschutz und die Auswahl konformer Anbieter. Bei Hochrisiko-Systemen kommen weitere Anforderungen hinzu. Der Pflichtenkreis ist überschaubar, aber er besteht, und er beginnt mit dem Überblick, welche KI in Ihrem Unternehmen überhaupt läuft.

7. KI-Kompetenz: Pflicht seit 2025

Seit dem 2. Februar 2025 müssen Unternehmen für ausreichende KI-Kompetenz der Personen sorgen, die mit KI arbeiten (Art. 4), nicht erst für Hochrisiko-Systeme. Mit einer praxisnahen, auf Ihre Tools zugeschnittenen Schulung ist diese Pflicht zügig erfüllt und nachgewiesen.

8. AI Act trifft DSGVO

Der AI Act ersetzt die DSGVO nicht. Beide gelten parallel. Wo KI personenbezogene Daten verarbeitet, brauchen Sie weiterhin eine Rechtsgrundlage, ggf. eine Datenschutz-Folgenabschätzung und saubere Regeln für Trainings- und Eingabedaten. In der Praxis lohnt es sich, beide Themen zusammen zu denken, statt zweimal dieselben Systeme zu prüfen.

9. Was bei Verstoß droht

Der AI Act sieht empfindliche Bußgelder vor: bei verbotenen Praktiken bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes, bei Verstößen gegen sonstige Pflichten bis zu 15 Mio. € oder 3 % (je nachdem, welcher Betrag höher ist). Hinzu kommt das Risiko, dass Enterprise-Kunden ohne belastbare Compliance-Story gar nicht erst unterschreiben.

Alle Themen dieses Clusters im Überblick

Der Leitfaden bildet die Grundlagen ab. Wer tiefer in ein einzelnes Thema einsteigen will, findet hier alle vertiefenden Beiträge, gruppiert nach Anlass.

Einstufung: Bin ich betroffen, und in welcher Rolle?

Pflichten: Was konkret zu tun ist, je Rolle

Fristen & Sanktionen: bis wann, und was bei Verstoß droht

Praxis: Umsetzung im Alltag

Sie wollen wissen, wo Sie stehen? Den Leitfaden in Ihre konkrete Lage übersetzen wir im Erstgespräch oder mit dem AI Governance Audit, das Ihr KI-Risiko zum Festpreis schwarz auf weiß einstuft.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Anbieter und Betreiber im AI Act?+
Anbieter entwickeln ein KI-System oder bringen es unter eigenem Namen in Verkehr und tragen die strengsten Pflichten. Betreiber setzen ein KI-System nur ein, etwa ein eingekauftes Tool, mit schlankerem Pflichtenkreis. Beide Rollen können gleichzeitig zutreffen; die Einstufung entscheidet, was für Sie gilt.
Ab wann gelten die Hochrisiko-Pflichten?+
Die Verbote und die KI-Kompetenzpflicht gelten bereits seit Februar 2025. Die Kernpflichten für Hochrisiko-Systeme wurden mit dem „Digital Omnibus" verschoben, auf den 2. Dezember 2027 (eigenständige Systeme) bzw. 2. August 2028 (in Produkte eingebettet). Maßgeblich ist die jeweils geltende Fassung.
Gilt der AI Act auch, wenn wir KI nur einkaufen?+
Ja. Als Betreiber tragen Sie Pflichten: transparenter Einsatz, Beachtung der Anbietervorgaben, Datenschutz und die Auswahl konformer Anbieter. Der erste Schritt ist der Überblick, welche KI in Ihren Tools überhaupt steckt.
CH

AI Act im Unternehmen? In 30 Minuten klären wir, wo Sie stehen.

Ich ordne Ihre KI-Anwendungen ein: Was fällt unter den AI Act, wo besteht Handlungsbedarf, was hat Zeit. Konkret, fundiert, vertraulich (§ 43a BRAO) und ohne Juristendeutsch. Erstreaktion innerhalb von 48 Stunden (werktags).

Erstgespräch vereinbaren

oder

info@caroline-herrmann.com
Erstgespräch vereinbaren